zwei kleine Gruppen tauschen sich an zwei Tischen sitzend aus
Methoden Koffer

Fehlerkultur: Raum für Lernen und Wachstum

Eine gesunde Fehlerkultur ist entscheidend für den Erfolg einer Organisation. Sie schafft ein Umfeld, in dem Mitarbeitende aus Fehlern lernen, Risiken eingehen und dadurch Innovationen vorantreiben können. Statt Fehler zu bestrafen, liegt der Fokus auf kontinuierlichem Lernen und Weiterentwicklung – der Schlüssel für nachhaltigen Fortschritt.

Fehlerkultur umsetzen

Um eine produktive Fehlerkultur zu schaffen, müssen Führungskräfte ein Umfeld der psychologischen Sicherheit und des Vertrauens etablieren. Mitarbeitende trauen sich nur dann, Risiken einzugehen und Neues auszuprobieren, wenn Fehler nicht bestraft werden und ihre Ideen geschätzt werden. Eine gesunde Fehlerkultur zeichnet sich durch psychologische Sicherheit, Belohnung von Risikobereitschaft, den Verzicht auf Bestrafung von Fehlern und eine Kultur ohne Schuldzuweisungen aus.

 

Wo sind die Grenzen des Fehler machens?

Ein konstruktiver Umgang mit Fehlern bedeutet nicht, sie zu verharmlosen. Die positive Einstellung gegenüber Fehlern darf nicht ins Extreme gehen. Sie sollte Mitarbeitende nicht dazu verleiten, unbedacht Risiken einzugehen, um schnell neue Lösungen zu entwickeln – das könnte leicht in Unachtsamkeit oder Rücksichtslosigkeit münden.

Wie sieht eine produktive Fehlerkultur aus?

Eine produktive Fehlerkultur basiert auf vier Schlüsselelementen:

  1. Psychologische Sicherheit
    Mitarbeitende müssen sich sicher fühlen, um neue Ideen auszuprobieren. Ohne Vertrauen ins Team und die Führungskräfte entsteht Angst vor Fehlern, die Innovation hemmt. Der erste Schritt ist, psychologische Sicherheit im Team zu schaffen.
  2. Belohnung von Risikobereitschaft
    Menschen gehen nur Risiken ein, wenn diese belohnt werden. Anerkennung und Förderung für das Ausprobieren neuer Ideen motivieren dazu, kreative Lösungen zu entwickeln.
  3. Fehler werden nicht bestraft
    Eine Kultur, in der Fehler sanktioniert werden, verhindert Lernprozesse. Es sollte keine negativen Konsequenzen geben, wenn etwas scheitert. Nur so kann Innovation gefördert werden.
  4. Keine Schuldzuweisungen
    Statt Schuldige zu suchen, sollte der Fokus auf Teamarbeit liegen. Eine Kultur der Schuldzuweisung führt zu Angst und vermindert die Bereitschaft, Risiken einzugehen.
Quelle: neue Narrative

Mini-Test

Mini Test für Fehlerkultur in deinem Team

Überlegt, wie zutreffend ihr die Aussagen findet. Nutzt dafür eine Skala von 0 bis 10.

Psychologische Sicherheit

Bei uns herrscht maximale psychologische Sicherheit, ich fühle mich als Mensch jederzeit wertgeschätzt und sicher.

Risiken belohnen

Bei uns wird immer belohnt, wenn jemand Neues ausprobiert und Risiken eingeht, ich spüre einen starken Anreiz, das zu tun.

Fehler bestrafen

Wer bei uns einen Fehler macht oder scheitert, wird dafür nie bestraft. Ich verbinde damit keine unangenehmen Gefühle.

Schuldzuweisungen

Wenn etwas schiefgeht, fragen wir uns nicht, wer daran Schuld hat. Überlegungen zu Schuld spielen bei uns keine Rolle.

Tragt die Werte aller auf der Skala ein (z.B. mit Klebepunkten, Rad etc.). Tauscht euch zu den Ergebnissen aus:
wo gibt es Gemeinsamkeiten? Wo liegen die Einschätzen stark auseinander? Wer versteht was unter diesem Punkt? Was können wir als Team umsetzen, machen um in der Skala höher zu kommen? Hält dies fest und vereinbart Massnahmen.

Reflektiert regelmässig und schaut was euch schon besser gelungen ist, wo ihr noch ansteht und was ihr dazu machen könnt. Sofern ihr die Einschätzung periodisch macht, sieht ihr als Team auch wie ihr euch in diesen Punkten verändert habt.

Methode - Gallerie des Scheiterns

Dieses Tool – Gallerie des Schweitern – von Neue Narrative unterstützt euer Team dabei, sich verletzlich zu zeigen und eine tiefere Verbindung zueinander aufzubauen.

Jede*r erstellt einen individuellen „Fehlerlebenslauf“ (CV of Failure) und teilt nur das, was er oder sie bereit ist, mitzuteilen. Anschliessend geht ihr gemeinsam durch die Galerie des Scheiterns und lernt euch gegenseitig von einer neuen, menschlicheren Seite kennen. So entsteht Verbundenheit und das Bewusstsein: Niemand ist fehlerfrei.

Anleitung:

  1. Check-in – 5 Min
    Startet mit einem kurzen Check-in, um das Setting zu eröffnen.
  2. Reflexion des Sicherheitsgefühls – 5 Min
    Nehmt euch kurz Zeit, um darüber nachzudenken, was ihr in der Gruppe eurer Fehler teilen möchtet.
  3. Erstellen des CV of Failures – 30 Min
    Füllt eure persönlichen Fehlerlebensläufe aus. (siehe Vorlage unten)
  4. Besuch der Galerie des Scheiterns – 20 Min
    Bei der Galerie des Scheiterns geht es darum, die eigenen Misserfolge und Schwächen sichtbar zu machen. Macht eure Fehlerlebensläufe für alle sichtbar, z. B. an einer Wand oder auf einem virtuellen Whiteboard. Anschliessend betrachtet ihr die Lebensläufe der anderen in Stille.
  5. Check-out – 15 Min
    Schliesst das Format (Meeting oder Workshop) mit einem ausführlichen Check-out ab und reflektiert darüber, wie sich eure Wahrnehmung der Kolleg*innen durch den Austausch verändert hat und wie sich dadurch die Fehlerkultur stärken kann.
Wie gelingt ein konstruktiver Umgang mit Fehlern?
  • Aktuelle Fehlerkultur analysieren: Beurteilt, wie in der Organisation mit Fehlern umgegangen wird, und welche Fehlertoleranz besteht.
  • Raum für Experimente schaffen: Plant Sollbruchstellen ein, um in risikoarmen Phasen kleine Experimente zuzulassen, in denen Fehler möglich sind.
  • Psychologische Sicherheit fördern: Stellt sicher, dass Mitarbeitende sich sicher fühlen, Fehler einzugestehen und Bedenken zu äußern, ohne negative Konsequenzen befürchten zu müssen.
  • Individuelle Umstände berücksichtigen: Achtet auf die persönlichen Voraussetzungen eurer Teammitglieder, wie psychische Gesundheit oder Diskriminierungserfahrungen, die den Umgang mit Fehlern beeinflussen können.

Warum eine Fehlerkultur wichtig ist

vier Personen tauschen sich im Stehen aus

Eine positive Herangehensweise und Haltung mit Fehlern unterstützt und stärkt die eigene und die Team- Fehlerkultur. Insgesamt trägt eine gesunde Fehlerkultur dazu bei, dass Teams resilienter, anpassungsfähiger und erfolgreicher sind:

Lernchance
Fehler bieten wertvolle Lernmöglichkeiten. Wenn ein Team eine offene Fehlerkultur pflegt, können Mitarbeitende aus ihren Fehlern lernen und sich kontinuierlich verbessern.

Kreativität & Innovation
Eine positive Fehlerkultur ermutigt, neue Ideen auszuprobieren, ohne Angst vor negativen Konsequenzen zu haben. Dies fördert Kreativität und Innovation.

zwei Wunderkerzen brennen

Vertrauen
Wenn das Team weiss, dass Fehler akzeptiert werden, entsteht ein vertrauensvolles Umfeld. Dies stärkt die Zusammenarbeit und das Teamgefühl.

Offene Kommunikation
Eine Fehlerkultur fördert eine offene Kommunikation, in der Mitarbeitende ihre Bedenken und Herausforderungen teilen können. Dies führt zu besseren Problemlösungen.

Fehlerprävention
Durch die Analyse von Fehlern können Teams Muster erkennen und Massnahmen ergreifen, um ähnlich Fehler in Zukunft zu vermeiden.

Motivation
Wenn das Team sieht, dass Fehler als Teil des Lernprozesses betrachtet werden, sind sie motivierter, Risiken einzugehen und sich weiterzuentwickeln.

Porträt von Renata Frey und Ursula Anderhub

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